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Superfood



Er war stinksauer auf sich! Er hatte es schon wieder getan! Jedes Mal wenn er an dem Ofen vorbei kam, wo der Grünkohl vor sich hin köchelte, musste er die Gabel in den Topf stecken, um sich einen fetten Happen in den Mund zu schieben. Mhmm, lecker. Es war zu köstlich und er konnte dem einfach nicht wiederstehen.

Schon lange hatte er auf den Winter gewartet, endlich war es nun soweit. Der Wind blies ums Haus und überall lag Schnee. Sein Haus war im 17. Jahrhundert gebaut worden und stand immer noch am gleichen Platz, ist ja auch logisch, die Stämme der Balken wurden damals in den Boden gerammt. Der Hof war eine Mischung aus Fachwerk- und Backsteinbau, ein dennoch sehr schönes Beispiel für Handwerkskunst. Im Inneren ist es so wie schon vor 300 Jahren, zwei Holzofen heißten die Fachwerkwohnung. Die Fenster sind zugig, wie sollte es anders sein und überall gib es Holzdielen, die blank auf dem Boden liegen. Man baute ja vor 300 Jahren ohne Keller, das ist doch klar. Trotzdem ist es in der Wohnung überall warm, vorausgesetzt es gibt genug Holz für die Öfen. Weil die Öfen ja sowieso warm sind, kann man gut den Topf einfach darauf stellen und schon kocht es automatisch vor sich hin.

Grünkohl, das ist das typische Wintergericht in Schleswig-Holstein. Wir Einheimischen hier im hohen Norden sind keine Hinterwäldler, (Wald gibt es hier tatsächlich auch nicht viel) und wir sind keine dummen Bauern. Wir sind einfach nur ganz normale und sehr glückliche Menschen, die überall in der Nähe Wasser haben. Hier oben weht der Wind deshalb ziemlich stark, kein Wunder, links Waser, rechts Wasser und damit blasst auch der Wind. Der weht so stark, dass wir nicht jedes Pflänzchen anbauen können, welches so in Deutschland wächst und wen wundert es dann, dass wir hier oben im Norden zufällig das absolute Superfood haben. Nämlich Grünkohl. Wegen dem unbeständigen Wetter hier oben ist dies das non-plus-ultra im Garten. Grünkohl hat viele verschiedene Namen: Hochkohl, Braunkohl, Winterkohl, Strunkkohl, Friesische Palme, Federkohl, Lippische Palme und Oldenburger Kohl. Wegen der hohen Nährstoffdichte ist dieser Kohl ein sogenanntes Superfood und wird in anderen Ländern hoch gehandelt. Meine Tochter z.B. verarbeitet Grünkohl zu Smoothes, naja, muss ich nicht haben. Aber ist wahrscheinlich ist es extrem gesund.

Grünkohl enthält tatsächlich sehr viel Nahrhaftes und gesundes. Sehr viele Ballaststoffe, Omega-3-Fettsäuren, Vitamine A, C, K, Kalium, Calcium, Eisen, Magnesium Betacarotin, Lutein und Zexanthin. Hinzu kommt das Glucosinolate im Verdauungstrakt sogenannte Anti Karzinome (krebshemmende) in Isothiocynate umwandeln, die aktiv gegen Krebs Zellen vorgehen und damit den Heilungsverlauf unterstützen. Grünkohl gilt als das Rindfleisch der Vegetarier, da er mehr Eisen enthält als rotes Rindfleisch. Hätten Sie das gewusst?

Wir hier oben im Norden kaufen wir den frischen Grünkohl beim Bauern, auf dem Markt oder haben ihn am Besten im Garten. Den ersten Frost sollte er wg. der Bitterstoffe schon erlebt haben, dann ist er zart und süßlich. Der Kohl wird von den Strünken abgestreift und dann gewaschen. Danach kommt er in kochendes Salzwasser, wo er für ein paar Minuten kocht. Mit diesem Kochvorgang verliert er seine restlichen Bitterstoffe, die er noch hat. Sind die Blätter kalt geworden, schneidet man sie auf einem Brett in kleine Stücke. So vorbereitet, kommt alles in einen Großen Kessel. Dort im Wasser liegen schon die Mettenden und eine geräucherte Schweinebacke. Diese kauft man auf jeden Fall bei einem Metzger des Vertrauens, denn sie wird dem ganzen Essen den richtigen Geschmack geben, und das muss eine sehr gute Schweinebacke sein. Das alles zusammen wird dann mind. 1 Std., besser noch länger, auf kleiner Flamme gekocht.

Sie haben Recht, dann sind wahrscheinlich alle Vitamine herausgekocht, aber es bleibt bestimmt noch genug an guten Dingen übrig. Wat mut dat mut!

Zu Grünkohl brät man als Norddeutscher unbedingt Bratkartoffeln, die sollten allerdings karamellisiert sein. Also in der Pfanne zu dem Salz und Pfeffer bitte noch viel Zucker hinzugeben. Das Besondere hier ist die Kombination von Räucherware, Fett, Gemüse und Zucker.

Unser Bauer aus dem alten Hof kann man durchaus verstehen, wenn er immer wieder den Topf nascht. Er hat schließlich fast ein ganzes Jahr darauf gewartet und es ist ein Teil seiner Identität. Ohne Grünkohl sind alle Menschen hier oben im Norden unglücklich, daher ist es ein Muss. Guten Appetit!


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