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Fliederbeersuppe ist ein wahrer Seelentröster

Aktualisiert: Jan 5

Marie hatte heute am Nachmittag ihren Job verloren und sie geht völlig deprimiert nach Hause. Was für ein Mist, aber war ja klar, Corona lässt grüssen. Keine Arbeit, keine Perspektive, keinen Plan. Auf ihrem Weg verläuft sie sich in den Straßen der Großstadt, weil Sie völlig in Gedanken an den Verlust ihrer Existenz gefangen ist. Sie geht stundenlang und steht schließlich vor einem Großen Imbiss. Irgendwie ist das magisch, weil er so außergewöhnlich aussieht. Völlig Retro. Bemalt wie ein Hippibus, der kurz vor der Reise nach Katmandu steht. Sie fühlt einen Stich ins Herz und im Nun kommen alte Wünsche und Pläne hoch, die sie vergessen hatte. Katmandu, Ladakh, Indien, wie nah doch auf einmal alles ist. Aber Stopp mal. Sie nimmt genau in diesem Moment einen ganz besonderen Geruch wahr. Fliederbeersuppe! Mit Nelken, Zimt und Grießklößen, so hatte sie es immer zu Hause bei ihrer Mutter bekommen. Ohne Klößchen ging auch, dann wurde der Saft im Bett frisch geduscht getrunken. Auf einmal fühlte sich der Verlust ihrer Arbeit nicht mehr so krass an, ja die Gedanken taten nicht mehr weh. Der Anker in die Vergangenheit hatte seine Wirkung getan und es ging ihr jetzt schon viel besser.

Sie griff in die Tasche, holte das letzte Geld heraus und bestellte sich einen Becher mit Saft. Tatsächlich war die Suppe auch mit Zimt und Nelken gemacht, ach ja, frischer Ingwer war auch darin. Sehr gut für die Gesundheit und für die Seele, genau das brauchte sie jetzt. Ganz langsam trank Marie den Saft und lehnte sich an den Hippibus. ‚Es gibt noch andere Wege, andere Möglichkeiten im Leben‘ sinnierte sie. Was hatte sie nicht schon alles an ihr vorüber gehen lassen. Vielleicht war es eine Chance, darüber nachzudenken, in welche Richtung das Leben weitergehen sollte. Marie schluckte den Fliederbeersaft langsam hinunter und mit dem Saft, verschwanden Ihre Ängste und Sorgen. Es ging ihr erstaunlich gut, die Krise war überwunden. ‚Was soll’s, es kann nur noch besser werden‘ Den Job hatte sie sowieso nicht gemocht.

Sie dachte an das Rezept, wie hatte es ihre Mutter damals gemacht? Die Mutter ging immer in den Knick und sammelte selber Beeren, ok, dazu hatte sie keine Lust. Aber Bio sollte es schon sein. Sicherlich gibt es den guten Saft in der Flasche. Der wurde dann mit Apfelsaft oder Apfelstücken vermischt, Nelken und eine Zimtstange kamen hinzu und ab und zu auch frischen Ingwer. Im Topf wurde dann das Geränk langsam erhitzt. Hinzu gab die Mutter dann noch frischen Zitronensaft, wenn die Kinder starke Erkältung hatten. Aber Zucker durfte auf keinen Fall fehlen.

Manchmal gab es die Suppe auch als Dessert, dann kamen Griesklösschen hinein.

‚Fliederbeersaft, wieso hatte sie das vergessen können?‘ Sie gab den Becher zurück und ging mit federnden Schritten hinein in ihr neues Leben. ‚Kaum zu glauben dachte‘ Marie. Ich werde mich heute hinsetzen und mich neu definieren. ‚Fliederbeersaft gehört in Zukunft dazu, das ist sicher‘, das waren ihre Gedanken, bevor sie vom Dunst der Stadt geschluckt wurde und verschwand.




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