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Kürbismord

Sie nahm ihm den Löffel aus der Hand, räumte den Teller weg und ließ ihren Mann erst einmal da liegen wo er war. Auf dem Tisch mit dem Kopf zur Seite gedreht. Die Augen waren offen.

Sie hatten mal wieder gestritten, wie so oft in den vielen Jahren Ihrer Ehe. Er, der starke Schönling, ein Mann von Welt arbeitete in Irland bei einer Firma für Bodenmatten. Es gab keinen Zweifel, er war für die Ehe nicht zu gebrauchen. Sie hingegen war eine vollendete Hausfrau, ein bisschen pingelig, aber eine begnadete Köchin und Managerin ihres Lebens. Im Gegensatz zur ihrem Mann ist sie im Laufe der Zeit ein Mauerblümchen geworden, alleingelassen und vereinsamt. Sie konnten nur miteinander auskommen, weil er von ihr versorgt wurde und weil er das gute Essen schätzte und sie duldsam wurde. Sie wollte einen Versorger, der ihr die Freiheit ließ, die Wohnung zu putzen und sich um die Küche zu kümmern.

Im Laufe der Jahre kam dann immer mehr Streit auf. Es waren Kleinigkeiten, Unwichtiges, sie fanden bald Spaß daran sich weh zu tun. Die Jahre gingen dahin und es wurde immer schlimmer. Eines Morgens entschied sie sich, der Ehe ein Ende zu setzten. Nein, auf die Pension wollte sie nicht verzichten, sie würde alles erben, das Haus, das Auto und seine Uhrensammlung. Sie würde alles nehmen und deshalb sollte er auch nicht leiden. Für ihn hatte sie ein Gift aus Südamerika über das Internet besorgt. Es war geschmacksneutral und sie konnte es einfach unter das Essen mischen, in seine geliebte Kürbissuppe.

Die zu kochen war einfach: man nehme eine Handvoll Zwiebeln, kleingewürfelten Hokaido Kürbis mit Schale. Beides schwitzt man kurz in Rapsöl an und fügt nach ca. 5min frischen Ingwer, 1l Kokusnussmilch und ½l Apfelsaft hinzu. Weiterhin 2-3 geschälte Kartoffeln. Abgeschmeckt wird mit ein wenig Zucker, Salz und viel Pfeffer. Nach ca. 20min wird die Masse püriert und schon ist die Köstlichkeit fertig. In diesem Fall 100% vegan.

Heute war es nun soweit, sie würde ihm ein letztes Mal das Essen vorsetzen, sie lächelte versonnen. Dieses Mal war es ein Spaß am Tisch zu sitzen, während er aß und sie ignorierte. In ihr stieg diese tierische Freude auf und sie musste über das ganze Gesicht lächeln. Er sah sie erstaunt an und runzelte die Stirn, dann flackerten die blauen Augen und er kippte zur Seite. ‚Die Suppe ist außerordentlich gut gelungen‘ dachte sie und stand vom Tisch auf. Sie war einfach nur glücklich, es ist vorbei und es war gut gelungen. Sie hatte sich selber übertroffen.

Constanze Sibylle Bauer
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